Die Zukunft buchstabieren: Eine Reise mit dem Eichhörnchen
Wie Sie Ihre Zukunft gestalten, ohne sie kontrollieren zu müssen – und warum das Eichhörnchen es besser kann als wir.

Ein turbulentes Jahr hat begonnen
Das Jahr 2026 hat turbulent begonnen – unschuldig ist es schon nicht mehr. Und doch: Lassen Sie uns zuversichtlich sein, dass es eine ganze Menge Gutes bringen wird.
Das Silicon Valley des Fussballs liegt, laut einem der Redakteure der Zeit, in Europa – mit der WM im Sommer. Und Mitte August kommt es zu einer totalen Sonnenfinsternis, bei der es über weite Teile unseres Landes für einen magischen Moment dunkel wird. Was es sonst noch so bringt? Das werden wir sehen.
Diese banalen Aufzählungen sollen nicht ablenken von den schrecklichen Kriegen, die weltweit geführt werden, oder der schwierigen Neuordnung politischer und wirtschaftlicher Machtverhältnisse. Aber da das Jahr noch recht frisch ist, finde ich die Zukunft ein sehr passendes Thema – zumal sich sicherlich jeder wieder etwas Gutes für das neue Jahr vorgenommen hat. Was haben Sie sich Gutes vorgenommen😇?
Wie gestalten wir sie also am besten, die Zukunft? Sollen wir sie kontrollieren oder einfach spontan auf uns zukommen lassen?
Ich lade Sie heute ein auf eine spannende Reise in Ihre Zukunft. Machen Sie sich reisefertig – es geht gleich los. Wir legen ab und nehmen dabei ein Eichhörnchen als Reisebegleitung mit.
Die Zukunft als Reise
Viele Naturvölker nutzen für ihr Leben den Begriff der Reise. Bei den Inuit bedeutet der Weg in die Zukunft, sich über dünnes Eis schrittweise nach vorne zu bewegen, ohne dabei immer ganz sicher sein zu können, wo es einen gerade trägt oder wo man einbrechen könnte. Die Aborigines in Australien beschreiben die Zukunft als Wanderung entlang von Wegen, deren Endpunkt man nie genau kennt, aber die man in jedem Fall stets singend bereisen sollte.
Ist das nicht interessant? Jedes Volk, jede Kultur hat eine eigene Vorstellung davon, wie sie den Weg in die Zukunft beschreitet.
In allen diesen Geschichten ist die Zukunft immer eine Reise in Richtung von etwas Unbekanntem – nicht ohne Gefahr, aber auch voller attraktiver Ziele und neuer Möglichkeiten. Ausserdem ist allen Erzählungen gemeinsam, dass man auf dem Weg niemals stillstehen darf, sondern in Bewegung bleiben muss, weil man sonst vom Himmel stürzt, im Eis einbricht oder von den Wellen davongetragen wird.
Leben ist Bewegung.
Die Flussfahrt: Ein Bild für die Zeit
Ich werde im Folgenden ebenfalls ein Bild für die Zukunftsreise nutzen und orientiere mich dabei an den Völkern aus dem Amazonasgebiet, die die Zeit als Flussfahrt beschreiben.
Der Fluss selbst ist die Zeit – langsam und kontinuierlich fliesst er durch die Landschaft. Auf diesem Fluss befindet sich ein Boot, an dessen Steuer Sie stehen. An dem Punkt, an dem Sie stehen, ist die Gegenwart. Wenn Sie nach vorne blicken, liegt die Zukunft vor Ihnen, und was hinter Ihnen liegt, ist die Vergangenheit.
Einen richtigen Stillstand gibt es auf der Reise nie. Was eben noch unmittelbar vor Ihnen lag, liegt bereits kurze Zeit später hinter Ihnen. Erich Kästner sagt es so: «Hartnäckig weiter fliesst die Zeit, die Zukunft wird Vergangenheit.»
Das, was wir Gegenwart nennen, ist übrigens äusserst kurz. Aus neurophysiologischer Sicht beträgt der Zeitraum, den wir als «jetzt» wahrnehmen, etwa drei Sekunden. Und obwohl wir selbst und unser Schiff immer nur in dieser subjektiv wahrgenommenen Gegenwart verweilen, schweifen unsere Gedanken etwa in der Hälfte der Zeit in andere Zeitebenen ab. Oft schauen wir durch das Heckfenster zurück und denken an die Vergangenheit – aber deutlich häufiger schauen wir aus dem Bugfenster nach vorne.
Studien zufolge denken wir ganze 10 bis 15 Mal pro Stunde an die Zukunft, also etwa alle fünf Minuten. Man muss allerdings zugeben, dass die Gedanken dabei nicht besonders weit reichen – also jetzt nicht an das Ende des Sonnensystems, sondern eher an die nächsten Stunden: Wann habe ich den Beitrag endlich fertig gelesen? Wann gibt es endlich Mittagessen?
Zukunftsgedanken sind also eher der verlängerte Arm der Gegenwart. Wir entwickelten schon recht früh die Fähigkeit des «Future Thinking» – nicht weit, aber dafür ständig. Das war das Erfolgsmodell von uns Menschen, und was früher galt, gilt heute prinzipiell auch noch: Nur wer rechtzeitig Holz sammelt, kann später Feuer machen. Fragen Sie mal jemanden aus der Pfadi.😉
Der Nebel der Zeit
Während der ersten Kilometer unserer Reise haben Sie sicher bemerkt, dass um Sie herum zumindest manchmal stellenweise etwas Nebel liegt. Der Nebel versperrt unseren Blick – je weiter die Vergangenheit zurückliegt, desto verschwommener wird sie, und je weiter wir nach vorne schauen, desto unklarer wird die Zukunft.
Meist lassen sich nur wenige hundert Meter erahnen, der Nebel hüllt alles, was weiter weg liegt, in ein grosses Geheimnis. Leider gibt es auch kein gutes Kartenmaterial zur Wegstrecke, das uns etwas Orientierung schenken könnte. Jeder Kilometer, den wir auf unserer Wegstrecke zurücklegen, bereisen wir zum ersten Mal.
Und damit sind wir beim Kern eines Gefühls, das Menschen bei Gedanken an die Zukunft beschleicht: Es ist eine erwartungsvolle Spannung – einerseits freudige Aufregung auf das, was sie an Gutem bereithält, andererseits aber auch die Angst vor dem, was Schlimmes geschehen könnte. In einer Welt, in der Medien heute weniger von blühenden Landschaften berichten, sondern von Stromschnellen und gefährlichen Klippen, die voraus liegen, schauen viele Menschen leider eher negativ nach vorne.
Zukunft können statt Zukunft kennen
Kein Wunder also, dass sich Menschen mehr Klarheit wünschen, wenn sie an die Zukunft denken. Gerade in unsicheren Zeiten verknüpfen Menschen die Zukunft mit dem Wunsch, sie vorherzusagen. Menschen wünschen sich zu wissen, was auf sie zukommt – und je unklarer die Faktenlage, desto mehr neigen sie zu magischem Denken.
Aber es ist nicht nötig.
Viel wichtiger ist es nämlich, die Zeichen der Gegenwart zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Perikles, der bedeutende Staatsmann des antiken Athens, betonte: Nicht die exakte Vorhersage der Zukunft zählt, sondern auf sie vorbereitet zu sein.
Zukunft können ist also wichtiger als Zukunft kennen.
Aber wie genau gelingt das am besten? Sollte man alles gut durchplanen und sämtlichen Eventualitäten vorbeugen? Ist man erfolgreicher, wenn man während seiner Schiffsreise um grösstmögliche Kontrolle bemüht ist? Oder sollte man sich treiben lassen, zurücklehnen und einfach die Landschaft geniessen?
Die Forschung ist auf diese Frage erstaunlich klar: Weder das radikale Durchplanen noch das völlige Treibenlassen erweisen sich langfristig als günstig. Am erfüllendsten ist dagegen das, was man in der Wissenschaft flexible Kontrolle nennt.
Flexible Kontrolle: Der Blick nach vorne
Beginnen wir mit dem Aspekt der Kontrolle. Kontrolle meint, dass man den Blick auf die Zukunft behalten sollte. Wer auf seiner Reise nicht ab und zu vor sich schaut, übersieht nämlich gegebenenfalls Felsen, die sich plötzlich im Wasser auftun – im schlimmsten Fall kollidiert man und läuft Gefahr zu kentern.
Natürlich gibt es immer Situationen, die in diesem Sinne nicht vorhersehbar sind: ein plötzlicher Unfall, eine Krebserkrankung oder der Tod eines nahestehenden Menschen. Aber das gilt bei Weitem nicht für alle Krisen – die meisten von ihnen können wir bereits lange vorher durch die Bugscheibe erkennen, und dennoch steuern wir untätig auf sie zu.
Rückenschmerzen beispielsweise entstehen selten plötzlich.
Sie sind meist das Ergebnis jahrelanger ungünstiger Bewegungsmuster, einer Haltung, die den Rücken belastet, einer Muskulatur, die durch Einseitigkeit aus dem Gleichgewicht geraten ist. Genauso entwickelt sich eine Hüftarthrose schleichend – Stück für Stück, über Jahre hinweg, durch eine unausgewogene Belastung der Gelenke.
Der amerikanische Soziologe Dale Dannefer spricht in diesem Zusammenhang von einer «Accumulation of Disadvantage» und meint damit, dass manche unserer grossen Probleme im Leben die Summe vieler kleiner versäumter Kurskorrekturen sind.
Um solche Felsen zu umschiffen, brauchen wir keine Operationen, sondern in den meisten Fällen reicht es völlig, in der Gegenwart aufmerksam zu sein für sich, seine Haltung und sein Verhalten im Leben – und konsequent zu handeln, bevor es zu spät dafür ist.
Ein altes Sprichwort besagt: «Wer die Zukunft lesen will, muss manchmal die Gegenwart buchstabieren.»
Das Eichhörnchen macht es vor
Und hier kommen wir zu unserer süssen Reisebegleitung: Das Eichhörnchen macht es uns nämlich vor.
Wenn der Sommer zur Neige geht, beginnt es bekanntlich, Nahrungsmittel für den Winter zu sammeln. Es braucht dafür nicht sonderlich weit in die Zukunft zu blicken – es reicht völlig, die fallenden Temperaturen wahrzunehmen und sich rechtzeitig vorzubereiten.
Dem Tierchen gelingt Vorsorge ohne Vorhersage – das ist, worauf ich hinauswill.
Es erkennt die Zeichen der Gegenwart und handelt rechtzeitig, instinktiv.
Wenn Sie die Zeichen erkennen – welche Bewegungen Ihren Körper belasten, welche Haltung ihn vorzeitig verschleisst –, können Sie rechtzeitig handeln. Ihr zukünftiges Ich wird es Ihnen danken: mit weniger Schmerzen, mehr Beweglichkeit und dem guten Gefühl, vorgesorgt zu haben.
Ihre Zukunft buchstabieren
Möchten Sie Ihre Zukunft buchstabieren lernen und eine Kurskorrektur für eine gesunde Zukunft vornehmen?
Dann lade ich Sie herzlich ein:
📅 Samstag, den 24.01. von 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr bietet sich die Gelegenheit. Es hätte noch ein Plätzchen frei 😌.
Lernen Sie, die Zeichen Ihres Körpers zu lesen, Ihre Haltung bewusst wahrzunehmen und rechtzeitig zu handeln – bevor die Felsen zu nah kommen.
Denn Zukunft können ist wichtiger als Zukunft kennen.
Herzlichst
Juliane Forchhammer
THE BALANCE ACADEMY